Zusammenarbeit mit Stephan Huber
Traue keinem Gedanken, der im Sitzen entstanden ist
Vielleicht kam hier unsere Naturverbundenheit zum Tragen, jedenfalls reizte Stephan Huber und mich gleichermaßen die Idee, Denkvorgänge, wie wir sie von Waldspaziergängen her kennen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Deshalb bedienten wir uns bei einer Installation, die dieses assoziative Verknüpfen von Gedanken erlebbar machen sollte der Metapher des Laubs.
Assoziationsketten und -netze
Es sollten Informationen durch immersive Interaktion des Betrachters neu verknüpft werden. Der Inhalt bestand aus persönlichen Erinnerungsstücken, dargestellt durch Typografie, bzw. Satzfetzen. In ihrer Zerbrochenheit sind sie zwar für den Betrachter nicht eindeutig zu entschlüsseln, d.h. es ist sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, sie zur ursprünglichen Erinnerung zusammenzusetzen, doch diese Fragmente bieten dem Betrachter wiederum die Möglichkeit, mit eigenen Erinnerungen verknüpft zu werden.
Die physische Umsetzung dieser Idee besteht zunächst aus einem Raum auf dessen Fussboden Fragmente von Sätzen projiziert werden. Wenn nun jemand über diese Worte geht, erkennt er zunächst, dass diese sich wie Laubblätter verhalten. Nachdem man innehält, stellt man fest, dass sich die Farbigkeit dieser Blätter verändert und zwar in Abhängigkeit zu ihrer Entfernung vom Betrachter und ihrer Zusammenhänge untereinander. Dadurch wird eine vage Vorstellung von der Geschichte vermittelt, die sich hinter diesen Worten verbirgt und der Betrachter wird angeregt, eine völlig andere zu assoziieren. Man kann mit dem Laub spielen, ältere Erinnerungen freilegen, die von frischeren verdeckt werden, unangenehme zur Seite drängen, Haufen bilden und sich seine eigenen Gedanken machen. Durch die physische Interaktion, das Wühlen in Erinnerungen wird ein eigener Denkprozess angeregt. Die Assoziationsbildung außerhalb des Körpers setzt sich im Verstand des Betrachters fort.
Immaterielle Benutzeroberflächen
Die Schnittstelle zum Rechner bildet eine Videokamera mittels derer der Computer die Position der Besucher erfasst um entsprechend die Projektion zu aktualisieren. Es sind keinerlei weitere Sensoren oder Schalter notwendig. Geschickt eingesetzt können derlei immaterielle Schnittstellen den Besucher integrieren und vermeiden so physische Bedienelemente, wie Schalter oder ähnliches, die für viele Menschen Hemmschwellen darstellen.
Konzept, Gestaltung und Programmierung:
Ralph Ammer und Stephan Huber